Schulgeschichten


In der Bitte an ehemalige Schüler um Geschichten aus dem schulischen Leben wurde folgender Wunsch ausgesprochen: "Schildern sie kurze humorvolle Erlebnisse". Nach diesem Kriterium haben wir eine entsprechende Auswahl getroffen.


Kr. Ing. Erich Stroh: Die Pfeife

Es war vermutlich in der dritten Klasse, da erhielt ich als Preis für irgendeine Sonderleistung eine kleine Pfeife. Sie war als Spielzeug gedacht, ich aber wollte damit rauchen. Tabak gab es weder in der Schule noch zu Hause, also nahm ich etwas Papier, zerschnitzelte es und stopfte es in den Pfeifenkopf. Mit einem Zündholz, das ich mir heimlich besorgte, zündete ich das Papier an und zog genüsslich an. Das Papier glühte auf, es kam richtiger Qualm heraus, ich kam mir ganz erwachsen vor. Aber dann wurde mir schlecht, so schlecht, dass ich zwei Tage die Schule versäumen musste. Das Gute daran war jedoch: Seither bin ich passionierter Nichtraucher.

 

Eduard Weis: Lebertran

Aus der 1. Klasse VS 1950 bei Frau Lehrerin Kirchner ist mir bis heute noch folgendes Erlebnis in Erinnerung:

Nach Kriegsende war man bedacht, daß die Kinder gesund sind oder werden. So wurden neben der Ausspeisung in der Schule im Keller, wo wir auch mit Kleidung versorgt wurden, jedem Kind einmal wöchentlich ein Löffel Lebertran verabreicht. Die ganze Klasse mußte sich in einer Reihe aufstellen und wir wurden einer nach dem anderen mit demselben Löffel mit Lebertran gefüttert, wobei man keine Chance hatte, dieses scheußliche Zeug auszuspucken. Diese Lebertrantage werden mir immer in Erinnerung bleiben.

 

Ing. Hannes Lohse: Tintenfleckerl

Im September 1946 begann ich mit der Volksschule. Eines Tages mußten wir ein "Tintenfleckerl" in die Schule mitbringen und dieses auch vorzeigen. Ich habe jedoch auf dieses Tintenfleckerl völlig vergessen. Als der Unterricht begann und die Lehrerin (in die ich heimlich verliebt war und zu der ich aufgeschaut hatte) durch die Reihen ging um die Tintenfleckerl zu kontrollieren, geriet ich in Panik. In meiner tiefen Verzweiflung schnitt ich mit einer Schere von meiner Unterhose ein Stück Stoff heraus und legte diesen auf die Schulbank. Als die Lehrerin dann bei mir vorbeikam, lobte sie besonders mein Tintenfleckerl, da es aus einem schönen weißen Stoff war.

Diese Hürde war gemeistert, jedoch stand mir die nächste große Sorge ins Haus: Wie sollte ich dies meiner Mutter beibringen! Nachdem ich ein paar Tage die zerschnittene Unterhose erfolgreich versteckt hatte, kam die Tat aber doch ans Tageslicht. Ich erzählte meiner Mutter diese Geschichte, und lachend sagte sie nur: "Was dem kleinen Hannes so alles einfällt!"

 

Prof. OSR Josef Freihammer: Eingesperrt

Damals war es üblich, dass nach dem Unterrichtsschluß der Lehrer die Klassentüre absperrte und die Schüler geschlossen vor das Schultor führte. Auf das Wort des Lehrers "Grüßen!" sagten wir alle "Grüß Gott!" und waren damit entlassen. Eines Tages stand unsere Klasse wieder in Reih und Glied vor dem Schultor, als plötzlich ein lautes Schreien und Weinen von einem Fenster unserer Klasse im 2. Stock zu hören war. Wir blickten nach oben, und unserem Lehrer stockte vor Schreck der Atem. Auf dem Fensterbrett stand einer unserer Mitschüler und schrie und weinte aus Leibeskräften. Offensichtlich hatte ihn der Lehrer unbeabsichtigt eingeschlossen. In größter Hast stürzte unser Lehrer die Treppen hinauf und befreite den Armen. Das war Rettung in letzter Sekunde, wir alle konnten erleichtert aufatmen.


Univ. Prof. Dr. Manfred Wagner: Märchenerzähler

Ich galt bereits in der 2. Klasse Volksschule (1951) als guter Märchenerzähler. Meine damals blutjunge Lehrerin Elfriede Buchleitner, später verheiratete Haumer, resche Tochter des respektablen Schulinspektors, würdigte diese Fähigkeit und ließ mich relativ oft vor der ganzen Klasse auf "ihrem" Podium stehend vortragen. Nach einiger Übung arrangierte sie auch solche Märchenerzählungen in anderen Klassen, unter anderem bei der gestrengen Frau Hirse. Dort ging es wieder einmal um Rotkäppchen und ich bot alle kindliche Energie auf, die Charktere vom Wolf, Großmutter und Rotkäppchen und dem erlösenden Jäger plastisch vorzutragen. Nachdem ich wieder einmal die Geschichte vom bösen Wolf, der die Großmutter und das Rotkäppchen verspeiste, anscheinend herzzerreißend hinter mich gebracht hatte, hörte ich eine kleine Stimme aus dem gebannten Publikum: "Und warum hast Du den beiden nicht geholfen?" Und dann erinnere ich mich noch an eine große Tüte Vanilleeis vom meinem geliebten Fräulein Lehrerin.

 

Ing. Dkfm. Helmut Bienert: Ölfußboden

Alle Schulkinder gingen damals barfuß in die Schule und die Volksschule Preinsbacherstraße hatte einen mit schwarzem Öl eingelassenen Fußboden. Nur der Helmut mußte auf den Weg zur Schule wegen seiner "etepetete" Mutter und Großmutter das Haus in der Klosterstraße mit weißen Söckchen und Sandalen verlassen. Spätestens in der Rathausgasse lief er mit den Sandalen in der Hand in die Schule. Nach der Schule wurde vom schlechten Gewissen geplagt der Weg immer weiter, weil er wußte, dass es zu Hause angekommen wieder Ohrfeigen regnen würde. Es war dabei unerheblich, ob er die weißen Socken über die schmutzigen Füße angezogen hatte oder auch nicht.